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Info für Nichtjäger

Verehrte Besucher unserer Homepage,


im Rahmen unserer Öffentlichkeitsarbeit werden immer wieder von Besuchern, ohne Kenntnisse über die Jagd und Falknerei, Fragen an uns gestellt. Um Ihnen die häufigsten dieser Fragen/ Irrtümer zu beantworten, haben für diese Informationen hier für Sie hinterlegt:

  1. Ein Jäger kann nicht einfach hinaus ins Revier gehen und dort als „Herr über Leben und Tod“ schießen was er will!

    Nein, Gott-sei-Dank nicht!

    In der BRD gibt es eine Vielzahl von Jagdgesetzen auf Bundes- und Landesebene. Dort wird u.a. in Schonzeit-Verordnungen geregelt, wann auf welches Wild wann die Jagd ausgeübt werden darf und wann nicht. Darüber hinaus gibt es für Reh- und Schwarzwild Abschusspläne, die für jedes Jagdrevier individuell von der unteren Jagdbehörde vorgegeben werden. Die Einhaltung dieser Abschusspläne wird von den Behörden überwacht. Nur innerhalb dieses Rahmens, der durch den Gesetzgeber (Bundestag und Länderparlamente) und die Jagdbehörden bestimmt werden, darf der Jäger die Jagd ausüben. Darüber hinaus werden ständig neue Verordnungen generiert. z.B. zur Wildbrethygiene usw., die es auch noch zu befolgen gilt. Wer sich darüber hinweg setzt, riskiert empfindliche Strafen, bis hin zum Entzug des Jagdscheins.

    Sie sehen, das leider weit verbreitete „Bambimörder-Image“ wird den Jägern mit den heutigen Anforderungen wirklich nicht gerecht! Vielmehr muss sich ein praktizierender Jäger über alle Gesetze und Verordnungen ständig auf dem Laufenden halten, wenn es nicht eines Tages ein böses Erwachen geben soll. Darüber hinaus ist die große Mehrheit der Revierinhaber gar nicht so sehr auf´s „Schießen“ aus, sondern verzichtet dann auf die Jagd, wenn der Wildbestand das nicht hergibt. Jagdpacht muss dann natürlich von den Jägern / Falknern dennoch weiter gezahlt werden.



  2. Wo darf ein Jäger die Jagd ausüben?

    Schon gar nicht einfach dort, wo er will!

    Ein Jäger kann z.B. eine Jagdreise ins Ausland unternehmen, und nach den dortigen Bestimmungen zur Jagdausübung jagen. Dies ist in aller Regel eine Frage der finanziellen Möglichkeiten des einzelnen Jägers / Jägerin. Man hat so zwar wenig Anbindung an das jeweilige Jagdrevier, dennoch darf man auf schöne Jagderlebnisse hoffen. Natürlich, freundschaftliche Verbindungen ins Ausland erleichtern dem Jagdgast so den Zugang zur Auslandsjagd, auch in finanzieller Hinsicht.

    In Deutschland ist das Jagdrecht mit dem Grundbesitz untrennbar verbunden (Reviersystem). Es kann also nicht einfach, wie im Ausland, jedermann (ob jagdliche Kenntnisse und Fertigkeiten vorhanden sind, oder nicht) eine „Tageskarte“ lösen und „drauf los schießen“! Stattdessen ist, wer in Deutschland ein Stück bejagbares Land besitzt, automatisch auch Mitglied in der Jagdgenossenschaft (Ausnahme: Grundbesitz von mehr als 75 ha kann als Eigenjagd bejagt werden). Dies ist den lokale Zusammenschluss der Grundstückseigentümer von bejagbaren Flächen (idR. Wasserflächen, Wälder & Felder).

    Die Jagdgenossenschaft „versteigert“ solche Flächen und bietet diese den Jägern zur Pachtung des Jagdrechtes auf diesen Flächen (Revieren) an. Diese Jagdpacht-Verträge haben idR. eine Dauer von 9 – 12 Jahren. Der Jagdpächter / Jagdherr wiederum kann seinerseits nicht mit „dickem Geldbeutel“ alle möglichen Jagdreviere kumulativ pachten. Pro Person ist das Anpachten von max. 1.000 ha erlaubt. Außerdem muss der Jagdherr/in anderen Jägern seiner Wahl die Jagdausübung in seinem Revier/en erlauben. Für die Ermittlung der Anzahl dieser Jäger wird eine Formel zur Anwendung gebracht. Hiernach ist die Anzahl der sogenannten Begehungsschein-Inhaber zu ermitteln. Diese Begehungs- scheine sind der unteren Jagdbehörde nachzuweisen.

    Die Begehungsscheine wiederum werden in entgeltliche (für ein Jahr Dauer) und unentgeltliche (jederzeit widerrufbare) Begehungsscheine unterschieden. Darüber hinaus gibt es noch in der Praxis die sogenannte „stille Teilhaberschaft“. Dies bedeutet, dass man als Jäger einen Hegebeitrag an den Jagdpächter bezahlt und ohne schriftlichen Begehungsschein in diesem Revier als Jagdgast jagen darf. Zu einzelnen Jagden, ebenso wie auf Dauer kann ein Jagdherr/in einen revierlosen Jäger/in außerdem die Jagdausübung ohne Bezahlung gestatten. Dies ist meist eine Frage von Vertrauen, Sympathie, Integrität und jagdlichem Können des Jagdgastes.

    All diese Regelungen sollen sicher stellen, dass Jagd und Falknerei weiterhin kompetent (Jagdausbildung) und demokratisch durch „Jedermann“ / das Volk ausgeübt werden können, und nicht einfach nur ein Privileg des „Geldadels“ wird. Natürlich entscheiden auch die finanziellen Möglichkeiten des einzelnen Jägers / Jägerin darüber, was der betreffende bejagen kann und wo er das mit welcher Häufigkeit tun kann. Finanzielle Unterschiede sind aber nicht nur bei der Jagd und Falknerei anzutreffen und Grundbestandteil unseres demokratischen Systems.



  3. Wozu brauchen wir heute noch Jäger/innen?

    Weil wir Menschen über die Jahrtausende alte Menschheitsgeschichte aus dem Urwald eine Kulturlandschaft geformt haben. Wälder wurden zur Holzgewinnung oder Anlage von Ackerflächen gerodet und Dörfer, Städte und Strassen gebaut. Nach und nach verschwanden Waldflächen, die einst das Refugium der Wildtiere waren, und die Kulturlandschaft mit all ihren menschlichen Eingriffen entstand. Dies hatte natürlich auch Einfluss auf den Tierbestand. Einige Arten wurden dezimiert oder sind ausgestorben, weil sie sich an diese menschlichen Eingriffe nicht gewöhnen konnten (Kulturflüchter). Für andere Arten waren diese menschlichen Eingriffe von Vorteil und sie vermehrten sich günstigstenfalls besser als zuvor (Kulturfolger).

    Ob aus Angst (böser Wolf), oder als „Futterneid“, der Mensch hat in den vergangenen Jahrhunderten andere Beutegreifer (Prädatoren) erbarmungslos bejagt und ausgerottet. Heutigen ethischen Anforderungen entspricht das nicht mehr und so ist teilweise ein Umkehrprozess (auch im Denken der Jägerschaft) eingeleitet worden. Natürliche Feinde (Bären, Wölfe, Luchse u.a.), die z.B. den Besatz der Rabenvögel, (Ringel)Tauben sowie der Füchse und des Schalenwildes (Wildsauen, Reh- und Rotwild) durch Bejagung im Gleichgewicht halten, gibt es nun mal nicht mehr.

    Wenn wir also weiterhin einen gesunden und teilweise sich auch selbst verjüngenden Wald vorfinden wollen, MÜSSEN wir das sich ansonsten unkontrolliert verbreitende Schalenwild bejagen! Fragen Sie mal Ihren Förster, was der von Verbiss- & Fegeschäden durch Rot- und Rehwild hält.

    Gleiches gilt für die anderen Prädatoren, wie z.B. Fuchs und Rabenkrähe. Aufgrund der Tollwutimpfungen bei Füchsen ist deren Anzahl drastisch angestiegen. Solch eine Überpopulation gab es zuvor noch nie! Auf der Speisekarte dieser Füchse stehen nun mal auch die bedrohten Arten wie, Rebhuhn und Kiebitz. Fasane, Hasen und Kaninchen, die in unseren heimischen Revieren auch immer seltener vor kommen (und deshalb nur sehr restriktiv, wenn überhaupt, bejagt werden) runden das Menü ab.

    Aus diesen, und weiteren Gründen ist es wichtig, dass das jahrhunderte und jahrtausende alte Handwerk der Natur zu liebe erhalten bleibt! Ausdrücklich bekennen wir dabei, dass wir an unserer Passion auch unsere Freude haben wollen.



  4. Jäger gehen nur ins Jagdrevier, um Tiere tot zu schießen; die geben sich doch nicht mit Naturschutz ab!

    Oh weh, oh weh, das schmerzt uns schon beim zuhören!

    Schon immer sind es seit Jahrhunderten Jäger, die sich um Biotop-Verbesserungen und Hegemaßnahmen kümmern! Andere Gruppen sind hier erst in neuerer Zeit auf den Plan getreten. Ob aktiv in der Wald- und Feldflur oder organisiert in Gremien wie dem Beirat der Unteren Landschaftsbehörde, Jäger sind an vielen Stellen präsent, wenn es um den Naturschutz geht. Meist ohne öffentlichkeitswirksame Auftritte, sondern mehr vor Ort im Jagdrevier. Für unsere Arbeit für den Naturschutz gibt es auch kaum Fördergelder, so daß wir Jäger und Falkner ganz ohne „Staatsknete“ auskommen müssen. Wenn wir z.B. Biotop-verbessernde Maßnahmen für den Fasan durchführen und z.B. Futter- und Huderstellen im Revier anlegen, dann hoffen wir natürlich zur Jagdzeit auf Beute. Wir halten das für legitim.
    Dennoch, ein verantwortungsbewusster Jagdpächter wird einzelne Arten, deren Vorkommen im Revier zu gering ist, gar nicht, oder nur sehr eingeschränkt bejagen.
    Rheinisch-Westfälischer Jäger 09/2010: Verzicht auf Rebhuhnbejagung
    Unser Auftrag ist es schließlich nicht „auszurotten“, sondern einen über alle Altersklassen gesunden Niederwild-Besatz zu erhalten.

    Wenn wir hier jedoch eine Kosten-Nutzen-Analyse durchführen würden, dann müßten wir vom betriebswirtschaftlichen Standpunkt aus sofort alle Aktivitäten einstellen! Bei gleichzeitig permanent steigenden Kosten (Versicherungen, Berufsgenossenschaft Futter etc.) sinkt die Strecke (Anzahl der erbeuteten Tiere) Jahr für Jahr. Ach ja, Jagdpacht und Jagdsteuer kommen obendrein auch noch dazu. Und, wildschadenspflichtig sind die Jäger für die Schäden durch bestimmte Tierarten, die dem Jagdrecht unterliegen, auch noch!

    Auch wird der Verkauf des Wildbrets immer schwieriger. Wer ist denn heute noch in der Lage und Willens, einen Hasen abzuziehen oder einen Fasan küchenfertig zu machen? Oft genug bleiben wir auf diesen artgerecht aufgewachsenen und waidgerecht erlegten Tieren sitzen.

    Nicht alle, aber die allermeisten Jäger haben für die Fragen des Naturschutzes durchaus ein offenes Ohr. Weiden auf den Kopf setzen, Natur- und Faunenverfälscher wie z.B. den japanischen Knöterich weg sensen, Nistkästen aufhängen, die Zahl der Biotopverbesserungen durch die Jägerschaft ist weis Gott groß. Und nicht erst seit heute! Wahrgenommen werden wir jedoch leider erst, wenn wir im Revier die Jagd mit Schusswaffen ausüben. Und dann gibt´s oft genug Streit und Ärger mit anderen Naturnutzern oder Jagdgegnern.

    Wenn wir Jäger da keinen Idealismus mitbringen würden (der auch aktiven Naturschutz mit einbezieht), hätten wir längst schon unsere Waffen verkauft und z.B. Golf spielen gelernt (die Golfer mögen uns diese flapsige Bemerkung verzeihen).